Zoo und Eisdiele digital

Im Rahmen der Vorlesung „Internet-Marketing“ an der Uni Hildesheim sollten die Studierenden in einer einstündigen Fallstudie Auswirkungen und innovative Einsatzmöglichkeiten des Internets im Rahmen der Produkt-, Preis- und Vertriebsgestaltung u.a. für eine Eisdiele und einen Zoo erarbeiten. Die Ergebnisse waren teilweise so interessant und kreativ, dass ich sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten möchte. Hier ein paar Schlaglichter:

Zoo:

  • Die Möglichkeit Bilder mit den Zootieren per Web zu personalisieren (z.B. ich sitze auf einem Elefanten, ich schwimme mit den Seelöwen um die Wette), herunterzuladen, zu bestellen oder als E-Card und Geschenkgutscheine zu versenden.
  • Die bequeme Zusammenstellung von Reisepackages (Hotel, Anreise, Zookarte, andere Freizeiteinrichtungen) sollte über das Internet individuell buchbar und mit attraktiven Preisvorteilen versehen sein.
  • Namensvergabe von Jungtieren inkl. Voting per Webplattform als Crowdsourcinganwendung.
  • Eine Map-App für das Smartphone, welches die klassische Zoowegekarte ersetzt und dabei auch gleich per Alert an Shows und Fütterungen erinnert. Zudem könnten Zusatzinformationen zu den Tieren, Zoo-Rallyes und Coupons für Zoo-Shop und Gastronomie eingebunden werden. Per NFC od. Barcode könnte damit auch die Plastikkarte als Ticket od. Wertkarte entfallen.
  • Ein Online-Spiel mit der echten Zootopographie zum Nachspielen des Zooerlebnisses für zu Hause wäre eine weitere Möglichkeit zur Intensivierung und Steigerung der Kundenbindung (als kostenlose Basis- und kostenpflichtige Premiumversion).
  • Einbindung von Live-Cams zu den Tiergehegen würden es ermöglichen, sein Lieblingstier auch mal von zu Hause aus zu besuchen. Diskutiert wurde u.a., ob z.B. Meerschweinchen kostenlos, größere Tiere ab einer gewissen Nutzungsdauer aber kostenpflichtig sein sollen.
  • Via Facebook könnten Geburtstagsrabatte an Fans zugestellt werden. Auch kurzfristige wetterabhängige Aktionen und Anreize könnten so platziert werden.

Eisdiele:

  • Die individuelle Zusammenstellung von Geschmacksrichtungen und Eisbechern über eine Webplattform wurde vorgeschlagen. Anschließend kann der Kunde sein Eis in der Eisdiele verzehren oder sich per Eiswagen liefern lassen.
  • Letzterer dürfte durch GPS-Tracking eine Renaissance erfahren. So wissen die Kunden genau, wo sich der Wagen mit der kühlen Erfrischung gerade aufhält. Auch die Kühlkette könnte durch RFID überwacht werden.
  • Ebenso angeboten werden sollte das Online-Voting über neue Eis-Kreationen und des Eis‘ des Monats.
  • Natürlich sollte auch hier ein Kundenbindungsprogramm, Coupons und die Möglichkeit zur Bezahlung (bis hin zur Sommer-Flatrate) via Smartphone und Social Media möglich sein.
  • Vorbestellungen, Online-Reservierungen und Powershopping z.B. für Schulklassen dürfen in der Eisdiele 2.0 ebenfalls nicht fehlen.

Was haltet Ihr von den Idee? Sind davon schon welche in der Praxis umgesetzt worden? Über Feedback würde ich mich freuen.

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E-Marketing Wiki-Seminar: ein Erfahrungsbericht

Anbei ein kurzer Erfahrungsbericht zu den öffentlichen Seminaren, die ich im WS 2011/12 parallel an den Universitäten Hildesheim und Wien gehalten habe. Kern der Seminare war die Ausarbeitung eines Themas zum Internet-Marketing in Gruppenarbeit im Form eines Wikis in Wikiversity. In der anschließenden Präsenzphase wurden die Themen in ca. 30-minütigen Vorträgen präsentiert und diskutiert. Aufgelockert wurde das Ganze durch Übungen und Kurzpräsentationen. Gerade letzteres gefiel den Teilnehmern besonders. Unter Zeitdruck (jeweils ca. 1 Stunde) im Team Themen zu recherchieren oder Webseiten zu analysieren und die Ergebnisse in einer Kurzpräsentation zusammenzufassen, forderte die Studierenden heraus und erzielte dabei hohe Lerneffekte v.a. hinsichtlich einer effizienten Arbeitsaufteilung im Team und einer prägnanten Foliengestaltung sowie Präsentation. Zudem trugen diese zu einem insgesamt angenehmen Arbeitsklima bei, was auch zu einer ausgesprochen hohen Diskussionsbereitschaft in den Veranstaltungen führte. Selten habe ich so rege und intensive Diskussionen in einem Seminar erlebt, die teilweise sogar über die offizielle Zeit hinausgingen. Die Möglichkeit (und nur in Teilen der Zwang), sich im Wiki vorab mit den Themen der anderen Gruppen befassen zu können, hat hierzu möglicherweise ebenfalls beigetragen.

Doch zurück zum Wiki. Wie hier beschrieben liegen die wesentliche Anreize zur Durchführung eines „Wiki-Seminars“ in der kollaborativen Arbeitsweise, wie sie für Gruppenarbeiten in Seminaren typisch ist, in der praktischen Erprobung der Möglichkeiten und Grenzen von Wikis und im offenen Wissensaustausch.

Dazu mein ganz subjektiver Eindruck v.a. im Vergleich zu klassischen Seminaren und zur praktischen Durchführung:

Qualität: Zunächst einmal unterscheiden sich die Arbeiten in ihrer inhaltlichen Qualität kaum von denen klassischer Seminare (wovon sich jeder selbst ein Bild machen kann). Die Spannbreite reicht auch hier von ausgezeichnet bis mäßig. Die eine oder andere Gruppe hat es sich durchaus etwas leicht gemacht, was Umfang und Literaturrecherche angeht, aber insgesamt sind die meisten Beiträge ordentlich mit Fachliteratur und -quellen fundiert. Davon abgesehen hatten einige mit der Zitierweise Probleme. Nun gut, hier gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen bzgl. des korrekten Zitierens, v.a. bzgl. der Genauigkeit und Frequenz von Quellenangaben. Eine gewisse Tendenz zur Vereinfachung aufgrund des ungewohnten Einbindens von Referenzen im Wiki-Text war hier jedoch teilweise festzustellen. Plagiate konnte ich aber nur vereinzelt ausmachen. Die Sorge, dass Wiki verführe zum „Copy&Paste“ kann daher nicht in vollem Umfang geteilt werden – Google sei Dank, dass dies zudem schnell zu identifizieren ist.

Arbeitsweise: Die Idee, die Gruppen würden das Wiki fortlaufend zur Bearbeitung nutzen, wurde von den meisten leider nicht aufgegriffen. Stattdessen wurden die Texte meist offline mit klassischer Textverarbeitung erstellt und erst kurz vor Abgabetermin in das Wiki kopiert und formatiert. Häufige Begründung für dieses Verhalten waren Gewohnheit oder die fehlende Rechtschreibkorrektur im Wiki-Editor. Zudem kam es trotz der in der MediaWiki-Software integrierten Warnung zu Bearbeitungskonflikten. Allein die Sorge davor, hat wohl einige Teilnehmer dazu veranlasst, den Text zunächst offline zu erstellen. Dies gilt es in künftigen Veranstaltungen stärker zu berücksichtigen.

Probleme im Umgang mit dem Wiki-Editor und der Formatierung gab es kaum. Die große Mehrheit fand die Bearbeitung im Wiki nicht schwierig und als lohnenswerte Erfahrung. Nur wenige hätten gerne darauf verzichtet und lieber eine „klassische“ Arbeit verfasst. Der Rüstaufwand durch das Erlernen der wikitypischen Syntax scheint sich also in Grenzen zu halten. Allein zwei Aspekte der Bearbeitung im Wiki stachen heraus: die Texte sind in den meisten Fällen deutlich stärker untergliedert als in klassischen Seminararbeiten, was nicht immer von Vorteil ist. Die wikieigene Headergestaltung scheint dies zu forcieren. Schwierigkeiten gab es zudem, wie so oft, bei der Wahl der korrekten Lizenzangaben bei selbst erstellten oder übernommenen Bildern (Bildzitaten). Hier mussten viele die Beiträge nacharbeiten.

Betreuung: Für mich als externen Lehrbeauftragten, der v.a. während der Bearbeitungszeit keine persönlichen Gesprächstermine anbieten konnte, stellte das Wiki eine adäquate Möglichkeit der Betreuung dar, bei der ich mich jederzeit über den aktuellen Stand der Arbeiten informieren konnte. Dies war jedoch aus o.g. Gründen bei vielen nur anhand der Gliederung möglich, die ich zu einem festen Termin von den Gruppen einforderte. Über die Diskussionsseite gab es das entsprechende Feedback. Feedback (bzw. die Bewertung) zu den fertigen Ausarbeitungen erhielten die Teilnehmer allein aus datenschutzrechtlichen Gründen klassisch in print. Ein Mehrwert gegenüber klassischen Seminararbeiten stellt ferner die Möglichkeit dar, als Leser der Beiträge verwendete Internetquellen ohne große Umwege im Kontext nachlesen zu können. Abgabetermine wurden darüber hinaus von allen verlässlich eingehalten.

Kollaboration: Externe Diskussionsbeiträge oder eine Diskussion bzw. Input der Teilnehmer untereinander während der Bearbeitungsphase war aus genannten Gründen nicht zu beobachten, wobei externe Personen auch (noch) nicht gezielt dazu aufgefordert bzw. eingeladen wurden. Einzelne Fragen der Teilnehmer, auch zur Wikibearbeitung, wurden eher in der begleitenden Facebookgruppe oder den universitätseigenen E-Learning-Plattformen von Teilnehmern und mir beantwortet.

Ausblick: Ein weitere wichtiger Vorteil des Wiki-Seminars: die Ausarbeitungen landen nicht in der Schublade, sondern stehen auch nach Abschluss der Seminare offen allen zur Verfügung. Meines Erachtens eine angemessene Würdigung der Arbeit, die sich die Studierenden mit ihren Ausarbeitungen gemacht haben. Darüber hinaus hilft es – was es noch zu beweisen gilt – die einzelnen Themen in zukünftigen Seminaren konsequent weiterzuentwickeln. Nachfolgende Seminarteilnehmer können sehen, was bereits bekannt ist und brauchen bei verwandten Themen nicht noch einmal alle Grundlagen aufarbeiten, sondern können bzw. sollten sich im Prinzip auf neue Schwerpunkte konzentrieren. Inwieweit das gelingt wird sich zeigen. Das nächste E-Marketing-Seminar startet am 16.03.2012 in Wien.

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